Geschäftsbericht & Co. – wie sich institutionelle Anleger informieren

Datum: 04. Dezember 2019
Lesezeit: 5 Minuten
Stephanie Suppiger
Stephanie Suppiger
PR-Fachfrau

Vor der Entscheidung in ein Unternehmen zu investieren, wird dieses in der Regel auf Herz und Nieren geprüft. Besonders institutionelle Anleger sind auf umfassende Informationen angewiesen. Schliesslich soll sich das Investment lohnen. Doch wie informieren sich Grossanleger? Wir haben bei Vermögensverwaltern einer Schweizer Regionalbank nachgefragt.  

Ein Investmententscheid bedarf einer Analyse des betreffenden Unternehmens. Solche Analysen sind mit viel Aufwand verbunden, weshalb sie nicht von allen Anlegern selbst durchgeführt werden. Aufgrund mangelnder Ressourcen wird häufig auf bestehende Berichte von externen Finanzanalysten – beispielweise von Grossbanken – zurückgegriffen. Doch ob die Analyse nun selbst oder von einem externen Anbieter durchgeführt wird, das Vorgehen zur Informationsbeschaffung bleibt dasselbe. Um zu verstehen, wie sich institutionelle Anleger informieren, haben wir ihnen Fragen rund um das Thema Geschäftsbericht und Co. gestellt.

Welche Publikationen sind hilfreich, um über ein Investment zu entscheiden?

Die Analyse eines Unternehmens bedarf umfassender Informationen. Diese benötigten Informationen finden sich in Publikationen wie Geschäftsberichten, Factsheets, Medienmitteilungen oder den Inhalten auf der Unternehmenswebsite. Meistens basieren Investmententscheidungen auf einem Mix verschiedener Informationsquellen. Weil betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie beispielsweise EBIT oder Cashflow besonders relevant sind, liegt das Augenmerk vor allem auf Finanzpublikationen. Die Zahlen von Quartals-, Halbjahres- oder Jahresberichten zeigen auf, ob es sich lohnt, Geld in ein Unternehmen zu investieren. Das gilt übrigens nicht nur vor, sondern auch nach einer erfolgten Investition. So sind neue Informationen immer wieder ausschlaggebend dafür, ob ein Investment fortgeführt oder aufgelöst wird.

Worauf achten Grossanleger bei Publikationen?

Ob es ein Geschäftsbericht, ein Factsheet oder eine Medienmitteilung ist: Institutionelle Anleger achten primär auf harte Fakten. Das heisst, dass die Aussagen aller Publikationen mittels aktueller Zahlen und Tatsachen belegt werden müssen. Ohne dabei die Verständlichkeit und die Leserfreundlichkeit zu vernachlässigen. Je höher die Qualität des Inhalts, umso höher die Chancen einer Investition.

Da beispielsweise die Bilanz lediglich eine stichtagsbezogene Momentaufnahme eines Unternehmens darstellt, werden ergänzend dazu auch aus anderen Inhalten wie dem Lagebericht oder Anhang relevante Informationen zu Hintergründen oder Zukunftsperspektiven gewonnen. Diese fliessen letztlich ebenfalls in den Investitionsentscheid ein. Unabhängig von der Publikationsart, das Wichtigste ist, dass die Angaben korrekt und aktuell sind.

Was sind die Kriterien eines guten Geschäftsberichts?

Eine der wichtigsten Informationsquellen, um über ein Investment zu entscheiden, ist der Geschäftsbericht. Ein idealer Geschäftsbericht muss in erster Linie korrekt sein. Für eine einfache Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen oder den Geschäftsberichten vorheriger Jahre folgt der Aufbau den gängigen Standards. Zudem werden die zentralen Informationen hervorgehoben. Weil die Zeit meist knapp ist, liegt der Fokus von Grossanlegern hauptsächlich auf den Zahlen. Eine ansprechende, leserfreundliche Gestaltung und ein logischer Aufbau mit einer guten Übersichtlichkeit unterstützen die schnelle Informationsbeschaffung.

Die Verschleierung von Informationen gilt als absolutes No-Go. Insbesondere bei negativen Vorkommnissen wie beispielsweise einer Fehlinvestition oder einer ausserordentlichen Abschreibung. Das gilt auch für buchhalterische Tricks. Auch wenn sie legal sind, erschweren sie die Interpretation von Zahlen. Das wirkt sich nicht nur negativ auf die Glaubwürdigkeit aus, sondern auch auf die Entscheidung eines Investments.  

Zahlentabellen oder Charts:
Welche Inhaltselemente bevorzugen Grossanleger?

Ob Zahlentabellen oder Charts bevorzugt werden, hängt von den darzustellenden Inhalten ab. So werden Bilanz und Erfolgsrechnung typischerweise in Form von Tabellen dargestellt. Abgesehen von diesen klassischen Inhalten bevorzugt die Mehrheit der befragten Vermögensverwalter Charts. Die Gründe dafür sind eine bessere Übersichtlichkeit und ein leichteres Verständnis. Ausserdem sorgen Diagramme für Abwechslung während der Lektüre des Geschäftsberichts und helfen dabei, Relationen und Entwicklungen besser einschätzen zu können.

Welche Publikationsform und -kanäle bevorzugen Grossanleger?

Diese Frage hat gezeigt, wie wichtig Online-Publikationen sind. Sie werden bevorzugt, da neue Informationen so rasch als möglich verarbeitet werden müssen und die Zeit für Recherchen deshalb meistens knapp ist. Durch digitale Publikationskanäle kann die Informationsbeschaffung unabhängig von Zeit und Ort erfolgen. Je einfacher die entsprechenden Informationen zugänglich sind, umso besser. Dennoch werden besonders grosse Publikationen wie Geschäftsberichte auch gerne ausgedruckt, weil sie so leichter zu lesen sind und ausserdem mit Notizen versehen werden können.

Kommunikation mit institutionellen Anlegern

Dos                                  

Don’ts

 
  • Digitale Publikationen
  • Übersichtlicher, gut strukturierter Aufbau
  • Aktuelle und korrekte Inhalte
  • Ansprechende Gestaltung
 
 
  • Fehler
  • Bewusste Verzerrung von Sachverhalten
  • Zurückhalten wichtiger Inhalte
  • Zu viel Text ohne Grafiken und Charts
 

Die Interviews mit verschiedenen Vermögensverwaltern haben gezeigt, wie wichtig Publikationen bei einem Investmententscheid sind. Je umfassender die Informationen, welche ein Unternehmen zugänglich macht, desto einfacher wird dessen Beurteilung durch Grossanleger.