Aufbau und Bestandteile eines Geschäftsberichts

Datum: 17. Juli 2019
Lesezeit: 7 Minuten
Stephanie Suppiger
Stephanie Suppiger
PR-Fachfrau

Der Geschäftsbericht ist ein Buch mit sieben Siegeln? Für viele Unternehmen ist das tatsächlich so. Deshalb haben wir in diesem Bericht alle Informationen rund um diese wichtige Finanzpublikation zusammengestellt.

Sinn und Zweck eines Geschäftsberichts

Die Aufgabe des Geschäftsberichts ist es, in umfassender Art und Weise die Aktivitäten eines Unternehmens im Verlauf eines Geschäftsjahres zu dokumentieren. Damit sollen Aktionären und anderen Interessierten valide Informationen über die finanzielle Situation und die unternehmerische Tätigkeit der Gesellschaft vermittelt werden.

Hier gibts Tipps für die effiziente Erstellung eines Geschäftsberichts.

Die Buchführungspflicht

Ob ein Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet ist, einen Geschäftsbericht zu erstellen, hängt von der Buchführungspflicht ab. Nach schweizerischem Recht sind gemäss Art. 957 Abs. 1 OR folgende Unternehmen zur Buchführung und Rechnungslegung verpflichtet:

  • Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit einem Umsatz von mindestens 500'000 CHF im letzten Geschäftsjahr
  • Juristische Personen (Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Genossenschaften, Vereine und Stiftungen)
     

Der Geschäftsbericht fasst die Leistung eines Unternehmens innerhalb eines Geschäftsjahres zusammen. In der Regel stimmt das Geschäftsjahr mit dem Kalenderjahr überein, beginnt also am 1. Januar und endet am 31. Dezember. Es könnte grundsätzlich aber auch davon abweichen. Der dokumentierte Zeitraum startet mit der Bilanzeröffnung und darf maximal 12 Monate dauern. Wenn einmal ein Geschäftsjahr festgelegt wurde, muss dieses aufgrund der Bilanzkontinuität beibehalten werden. Der Geschäftsbericht ist spätestens 6 Monate nach dem Abschluss des Geschäftsjahres zu veröffentlichen.

Der Aufbau eines Geschäftsberichts

Ein Geschäftsbericht besteht typischerweise aus Pflichtinhalten und freiwilligen Teilen.

Pflichtinhalte eines Geschäftsberichts

Die gesetzlich vorgeschriebenen Inhalte eines Geschäftsberichts sind die Jahresrechnung und der Lagebericht. Wobei der Lagebericht lediglich dann erstellt werden muss, wenn das Unternehmen zur ordentlichen Revision verpflichtet ist. 

Jahresrechnung

Die Jahresrechnung ist der zahlenlastige Teil eines Geschäftsberichts. Sie setzt sich aus einer Bilanz, einer Erfolgsrechnung und einem Anhang zusammen. Bei der Revisionspflicht kommt zusätzlich eine Geldflussrechnung dazu.

Bilanz

Die Bilanz eignet sich, um sich schnell einen Überblick über die Vermögenslage eines Unternehmens zu verschaffen.

Konkreter ist die Bilanz eine Gegenüberstellung der Vermögenswerte und der Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Zu den Vermögenswerten, den sogenannten Aktiven zählt das Anlagevermögen, das Umlaufvermögen und die Rechnungsabgrenzungsposten. Die Verbindlichkeiten werden als Passive bezeichnet. Sie bilden sich ihrerseits bestehen aus dem Eigenkapital, den Rückstellungen, den Verbindlichkeiten und ebenfalls den Rechnungsabrechnungsposten.

Die Bilanz ist eine Momentaufnahme, weil sie nur die aktuelle Situation des Bilanzstichtages wiedergibt. In der Regel ist das der 31. Dezember.

Erfolgsrechnung

Die Erfolgsrechnung, auch bekannt als Gewinn- und Verlustrechnung, gibt Auskunft über die unterjährig erzielten Gewinne und Verluste eines Unternehmens.

Das heisst, dass die Erfolgsrechnung alle Erträge mit allen Aufwendungen eines Geschäftsjahres vergleicht. So lässt sich ermitteln, ob das Unternehmen einen Gewinn oder einen Verlust erzielt hat.

Anders als die Bilanz berücksichtigt die Erfolgsrechnung die Aufwände und Erträge des gesamten Geschäftsjahres.

Geldflussrechnung

Die Geldflussrechnung gibt Aufschluss über den Zu- und Abfluss von Geld, das durch betriebliche, investive und finanzwirtschaftliche Aktivitäten generiert wird. Sie umfasst alltägliche Aktivitäten wie Bestandskäufe und -verkäufe.

Anhang zur Jahresrechnung

Der Anhang zur Jahresrechnung beinhaltet weitere Informationen zu Rechnungslegungsgrundsätzen, Erläuterungen oder Erklärungen zur Bilanz und Erfolgsrechnung. Diese zusätzlichen Informationen sind gesetzlich vorgeschrieben und zählen deshalb ebenfalls zum Pflichtteil des Geschäftsberichts.

Lagebericht

Der Lagebericht dient als Ergänzung der Jahresrechnung und gibt Einblicke in Bereiche, die diese nicht abdeckt. Er gibt in Form einer detaillierten Berichterstattung Auskunft über den Verlauf des Geschäftsjahres sowie dessen Meilensteine und zeigt, wie es aktuell um die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens bestellt ist.

Gewisse Themen des Lageberichts sind gesetzlich vorgeschrieben, können aber durch weitere Aspekte ergänzt werden. Gemäss Art. 961c D. OR muss über folgende Themen berichtet werden:

  1. die Anzahl Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt;
  2. die Durchführung einer Risikobeurteilung;
  3. die Bestellungs- und Auftragslage;
  4. die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit;
  5. aussergewöhnliche Ereignisse;
  6. die Zukunftsaussichten.

Konzernrechnung

Bei Unternehmen, die aus mehreren Gesellschaften bestehen, ist zusätzlich die Konzernrechnung zu erstellen. Das ist nichts anderes als die Zusammenfassung der einzelnen Jahresabschlüsse in Form einer konsolidierten Bilanz oder Erfolgsrechnung. So, als wäre es der Jahresabschluss eines einzigen Unternehmens.

Testat zur Jahresabschlussprüfung

Bei der Erstellung eines Jahresabschlusses ist das Unternehmen verpflichtet diesen einer unabhängigen Wirtschaftsprüfung zu unterziehen. Die sogenannte Jahresabschlussprüfung stellt sicher, dass die gesetzlichen Vorgaben und die Grundsätze der ordentlichen Buchführung eingehalten wurden. Diese Prüfung wird in Form eines Testats bestätigt und in den Geschäftsbericht integriert.

Freiwillige Bestandteile eines Geschäftsberichts

Die Pflichtinhalte des Geschäftsberichts werden typischerweise durch die folgenden Inhalte ergänzt:

Aktionärsbrief

Der Aktionärsbrief gehört zu den wichtigsten Bestandteilen eines Geschäftsberichts. Nicht nur, weil er sich auf den ersten Seiten findet, sondern weil der CEO oder der Präsident des Verwaltungsrates den Leser direkt anspricht. Er fasst kurz die Meilensteine des vergangenen Jahres zusammen und gibt gleichzeitig einen Ausblick in die Zukunft des Unternehmens. Dabei steht das Zielpublikum im Zentrum. Denn der Aktionärsbrief ist ein wichtiges Element für die Schaffung einer persönlichen Verbindung zwischen den Zielgruppen und dem Unternehmen. Dementsprechend wichtig ist seine Botschaft.

Ein spannender Bericht, wie ein überzeugender Aktionärsbrief verfasst werden kann: Jetzt lesen!

Finanzielle Kennzahlen

Oftmals sind es die finanziellen Kennzahlen, die auf den Aktionärsbrief folgen. Sie ermöglichen es dem Leser, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Die finanziellen Kennzahlen zeigen die wichtigsten Schlüsselzahlen übersichtlich zusammengefasst, wie beispielsweise den Reingewinn, den aktuellen Personalbestand oder die Dividende.

Einführung

Die Einführung kann als Ergänzung des Inhalts des Aktionärsbriefs verstanden werden. Er bereitet den Leser auf die darauffolgende Finanzergebnisse vor und gibt eine kurze und prägnante Zusammenfassung des Jahres.

Nachhaltigkeitsbericht

Der Nachhaltigkeitsbericht hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Es gehört heute schon fast zum guten Ton eines Unternehmens einen aktiven Beitrag zugunsten der Nachhaltigkeit zu leisten. Dementsprechend präsentiert das Unternehmen im Nachhaltigkeitsbericht inwiefern sie in wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekten nachhaltig betätigen. Er informiert weniger über das eigentliche Geschäft als über die Werte eines Unternehmens.

Segmentberichterstattung

Die Segmentberichterstattung präsentiert einzelne Teilbereiche eines Unternehmens. Die detaillierte Untersuchung verschiedener Abteilungen erlaubt differenzierte Aussagen beispielsweise zu möglichen Risiken oder Chancen.

Die wichtigsten Bestandteile eines Geschäftsberichts

Nun da die Struktur eines Geschäftsberichts bekannt ist und deutlich wurde, wie umfangreich diese Publikation ist, liegt eine weitere Frage nahe: Welche Inhalte sind die wichtigsten? Die Antwort ist wahrscheinlich nicht das, was man sich erhofft hatte, aber wenigstens ist sie simpel: alle!

Warum? Weil der Geschäftsbericht immer als Ganzes betrachtet werden muss. Zwar hat ein Unternehmen einen gewissen Spielraum, welche Inhalte es veröffentlichen möchte. Trotzdem solltest es sich in erster Linie an den Bedürfnissen und Interessen der Anspruchsgruppen orientieren. Denn nur wenn der Gesamtauftritt eines Geschäftsberichts überzeugt, taugt er als Imageträger eines Unternehmens.

PS: Wertvolle Tipps für Gestaltung eines Geschäftsberichts gibt es hier.

 

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